#10 – BAP mit “Verdamp lang her”

Als Rheinländer kann ich natürlich meine heimatlichen Wurzeln nicht verleugnen und natürlich gehört BAP zu meinen Lieblingsbands. Wer mit kölscher Musik wenig anfangen kann, sollte übrigens diesen Blog im Februar besser stumm schalten, wo ich das Missverständnis Kölsche Musik und Karneval auf zu klären versuche… 😉

Veröffentlichung12. Oktober 1981
Länge5:45
GenreRock, Kölsch-Rock
TextWolfgang Niedecken
MusikWolfgang Niedecken, Klaus Heuser
AlbumFür usszeschnigge!

“Verdamp lang her” ist das bekannste Stück von BAP und machte die Gruppe Anfang der 80er auch über die Kölner Stadtgrenzen hinaus bekannt. Was damals sehr ungewöhnlich war, dass eine Rockgruppe vielleicht nicht nur nicht auf Englisch sang, sondern sogar in einem lokalen Dialekt, in diesem Fall Kölsch. Aber ist für mich es manchmal sogar nicht nachvollziehbar, wenn einige meinen, sie würden Wolfgang Niedecken nicht verstehen, da er gar kein echtes Kölsch singen würde, sondern sowas – wie bezeichnete das mal jemand noch mal ? – wie “Oxford Kölsch”.

Okay, aber nun zum Song. Wolfgang Niedecken hat den Text Rosenmontag 1981 geschrieben, als er mal wieder vor dem Karneval in Köln geflüchtet ist. In dem Text setzt sich mit seinem Verhältnis zu seinem Vater auseinander, der ein halbes Jahr zuvor verstorben war. Der Vater hatte ein Problem damit, dass sein Sohn eine künsterliche Laufband einschlagen wollte. Man muss wissen, dass Wolfgang Niedecken eigentlich Maler werden wollte und hatte “freie Malerei” Anfang der 70er Jahre studiert. Aber dann wurde er doch Musiker. Das findet sich auch in dieser Textpassage wieder:

Fragst mich, wann ich zuletzt ein Bild gemalt habe,  
Ob mir ein Lied tatsächlich jetzt genügt. 
Ob ich jetzt da bin, wo ich hin gewollt hab,
Ob mir die Farbe auf die Weise nicht vertrocknet. 
Ich glaube, ich weiß: Ob du nun laut malst oder leis,  
Es kommt nur drauf an, dass man es tut.

Ursprunglich wollte die Band das Stück nicht spielen, weil der Text sehr schwermütig war und ein Refrain fehlte. Klaus “Major” Heuser hatte dann die Idee, als Refrain einfach das Singen von “Verdamp lang her” einzubauen und schon war einer größten Rocksongs zum Mitgröhlen geboren. Zumal man für den Refrain kein abgeschlossenes Studium in “kölscher Sproch” brauchte. Da ist schon fast egal, um was in dem Song geht, das Stück ist einfach mitreißend.

Dabei weist es ein Stilmittel auf, das bei mir persönlich ganz hoch im Kurs steht: es fängt ganz gemächlich an: ein paar Synthie-Arkkorde und schon fängt Wolfgang Niedecken an zu singen. So steigert sich das Lied langsam, nach Strophe zwei kommen Gitarre, Bass und Schlagzeug dazu, um dann – endlich – nach der vierten Strophe das erstemal mit dem Refrain zu eskalieren.

Da ich mich nicht entscheiden kann, welche Live-Version mir besser gefällt, verlinke ich einfach beide.

Erwähnenswerte Cover-Versionen: bei einem solchen Stück eine Cover-Version hervor zu heben ist natürlich ein aussichtsloses Unterfangen, denn es kommt kaum jemand an das Original ran. Alle Versionen, wo versucht wird, den Text ins Hochdeutsche zu übertragen, sind sowieso zum Scheitern verurteilt. Aber es gibt tatsächlich eine ziemlich geile Live-Version von einer jungen aufstrebenen Band mit Namen “JaM” – das war die firmeneigene Band meines alten Arbeitgebers J&M, die sich leider durch den Verkauf der Firma 2013 auflösen musste. 2019 kam es noch mal zu einer Reunion, wo sie unter anderem “Verdamp lang her” spielten. Und damit “verdamp” nah ans Original kamen…

Weitere Links:

https://de.wikipedia.org/wiki/Verdamp_lang_her

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