#27 – Brings mit “Bis Ans Meer”

Pünktlich zu Weiberfastnacht werde ich Euch nun mit Karnevalslieder nerven. STOP! Erstens fällt Karneval dieses Jahr wegen der Driss-Pandemie aus. Zweitens möchte ich die Gelegenheit ergreifen, bei den Nicht-Rheinländern einige grundlegene Missverständnisse auszuräumen. Also lasst Euch auf eine kleine Reise durch die Kölsche Musik ein. Ich denke, Ihr werdet es nicht bereuen…

Veröffentlichung22. August 1997
Länge5:19
GenreRock
Autoren???
AlbumFünf

Eigentlich müsste ich mit einem anderen Song starten, um Außenstehenden das Wesen kölscher Musik chronologisch zu erläutern. Aber Brings ist auch ein guter Einstiegspunkt. Denn auch wenn Brings heute als eine der großen Karnevalsband gilt, liegt ihr Ursprung ganz woanders. Und sie haben mit dazu beigetragen, dass man 20 Jahre nach ihrem Einstieg in den Karneval Kölsche Musik auch nach Aschermittwoch hören kann.

Ich habe zuerst Anfang der 90er Jahre von Brings gehört. Damals wurden sie von der Lokalpresse als legitime Nachfolger von BAP gehandelt. Sie waren rockiger und dreckiger in Texten und Musik und waren in Köln schon das nächste heiße Ding. Und es ließ sich auch erstmal gut an. Damals hörte ich den Radiosender SWF3 – ein Sender, der nicht zum unbedingt zum Kölner Einzugsgebiet gehört. Und dort schafften sie ins Programm – der erste Schritt in überregionale Bekanntheit. Ich weiß noch, dass es der Song “Bis ans Meer” in die Hörerhitparade von SWF3 bis auf Platz 2 schaffte. Sie waren 1998 auch bei der Verantstaltung “Start ins Wildall”, dem Eröffnungsevent des Nachfolgesender SWR3 dabei und traten im Baden-Airpark vor Tausenden von Menschen auf. Der Weg zum bundesweiten Erfolg schien offen.

Aber dann verschwanden sie irgendwie in der Versenkung. Ich hab erst wieder von Brings was gehört, als mein Schwager und meine Schwägerin aus dem Rheinland nach Hessen gezogen sind und deswegen eine Riesenabschiedsparty verantstaltet haben. Die Freunde der Kinder haben irgendwann das Zepter über die Musik übernommen und plötzlich lief dann “Supergeile Zick”. Ich war erstaunt, wie die Jugend auf den für mich unbekannten Titel abgegangen ist. Ich habe dann gefragt, von wem das Stück ist und war erstaunt, dass die Antwort Brings lautete. Und noch erstaunter war ich, als ich einige Monate später Brings plötzlich auf einer Bühne einer Karnevalssitzung gesehen habe. Rock und Karneval passte damals einfach nicht zusammen. Aber das ist nun auch der Grund, warum ich Brings als erstes Beispiel für Kölsche Musik nehme. Sie haben damals den Weg für viele andere Band auf die Bühne der Sitzungssäle geebnet. Damals herrschte Ballermann-mäßige Musik mit schwachsinnigen Texten im Karneval vor. Von “Willst du eine Pizza”, über “Die Karawane zieht weiter” bis hin zu “Buenos dias Matthias”. Plötzlich stand da eine Rockband auf der Bühne. Die Texte waren… anders. So war der Schnee im August, von dem in “Supergeile Zick” gesungen wird, nichts anderes als Kokain. Für das Festkomitee des Kölner Karneval, dem Gralshüter der Tradition, ein Skandal. Brings mussten gegen viele Widerstände ankämpfen, aber das Publikum wollte die Band weiter auf den Sitzungen hören, und so konnte Brings weiter auftreten.

Aber nachdem sich Brings im Karneval etabliert haben, merkte man, dass die bestehenden Band einen langsamen Stilwechsel vollzogen haben und in den letzten Jahren sind auch viele neue Bands hochgekommen, die mit dem Klischee des irren Karnevalslieds mehr als gebrochen haben (zum Beispiel Kasalla oder Cat Balou, um nur zwei zu nennen). Daran haben Brings sicher einen großen Anteil.

Im Rückblick muss man sagen, dass der Karneval Brings gerettet hat, denn nach dem anfänglichen Höhenflug gelang zunächst der große Durchbruch nicht und die Band stand kurz vor der Pleite. Aber es zeigt auch, dass die heutige kölsche Musik eben nicht nur Karneval ist. Und auch Brings haben im Karneval viele Stücke mit intelligenten Texten gemacht. Die Ballade “Nur die Liebe gewinnt” ist ein schönes Beispiel, mit dem sie sogar in die damalige Karnevalsession gezogen sind. Das Lied greift den Hass aus dem Netz auf. Und dass trotz allem die Liebe gewinnen wird:

Dass ‘n Wunder passiert
Und wir endlich kapier’n
Dass wir alle gleich sind
Und nur die Liebe gewinnt

Refrain aus “Liebe gewinnt”

Zum Start durch die kölsche Musik habe ich aber bewusst ein Stück aus der Zeit vor der “Supergeilen Zick” ausgesucht. Eine Ballade vom fünften Album, das sinnigerweise Fünf heißt. Nämlich den Song, der es in den SWF3-Charts bis auf Platz 2 geschafft hat und den damals Millionen Menschen von der Kölner Bucht bis runter nach Freiburg gehört haben. “Bis ans Meer” hat Brings in Hochdeutsch gesungen, so dass auch meine nichtrheinischen Leser den Text ohne Probleme verstehen werden. Das wird in den nächsten Tagen nicht immer so sein… 😉

Es ist eine wunderchöne Rock-Ballade. Dabei erinnern mich die Gitarren erinnert in Ansätzen an Led Zepplin’s Kashmir. Das Riff gibt dem Song Power und macht es für mich zu einem der stärksten Stücke aus ihrer ersten Phase.

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